Über das Buch

Mit YOU & ME – forever and ever begibt sich Jenna Stean in das Genre des romantischen Gangsterpathos und zeigt damit ihren Lesern, wie vielfältig ihr Ideenrepertoire ist. Das Buch ist am 10.04.2021 bei Amazon erschienen. Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits den Klappentext, die Cover zum Buch sowie Informationen zu den Hauptfiguren.

Hinweis: YOU & ME – forever and ever ist die überarbeitete Fassung der Du.Ich. - Zweiteiler von Jenna Stean


Daten zu "YOU & ME - forever and ever"

Veröffentlichung: 10.April 2021 bei Amazon
Seitenzahl: 710 (eBook)
Aktionspreis: 0,99 € (eBook)
ISBN: 979-8672360607

Klappentext

Als Leon Zampori kurz vor seinem Abschluss Stress auf der Highschool bekommt, ist das Letzte, was er will, Hilfe von Quinn Cartmell. Die Schnecke soll sich gefälligst um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Hartnäckige Mädels passen nicht in Leons Leben, weil sie haufenweise Ärger einbringen. Wenn Leon etwas ausreichend besitzt, dann sind es eigene Probleme.

Auch Quinn merkt schnell, dass es riskant ist, sich auf einen heißen Italian-Bad Boy einzulassen. Er ist Mitglied einer Gang, die mit dem gefährlichsten Typen von New York Geschäfte macht. Und dieser Mann hat harte Regeln, die Leon befolgen muss …

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Die Cover zum Buch

Quinn und Leon - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Quinn Cartmell, 18 Jahre

Familie: Die Eltern sind geschieden. Quinn lebt mit ihrem Vater in New York, Bezirk Manhattan, die Mutter in Virginia Beach. Der Vater besitzt ein Biotech-Unternehmen. Quinn ist im Seniorjahr und beginnt danach ihr Studium an der Columbia University.

Freundin: Olivia

Beziehungen: Sie hatte noch nie einen festen Freund und auch keine kurzen Affären.

Charakter: empathisch, zielstrebig, hartnäckig, humorvoll, schlagfertig

Äußeres: klein, schlank, braune Augen, langes dunkelblondes Haar

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Leon Zampori, 18 Jahre

Familie: Die Familie lebt in New York, Bezirk Bronx. Der Vater hat seinen Job nach einem Schlaganfall verloren, die Mutter arbeitet in einer Tankstelle. Leon hat drei jüngere Geschwister: Milo, Luca und Noemi. Er ist Mitglied bei den Blooddogs. Leon ist im Seniorjahr und beginnt danach sein Studium an der Columbia University.

Freund: Fabio

Beziehungen: kurze Flirts

Charakter: familienverbunden, zuverlässig, humorvoll, selbstbewusst, dickköpfig

Äußeres: groß, muskulös, braune Augen, dunkelbraune Haare

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1. Leon

Das war mal wieder klar.
Ohne Vorwarnung wurde die Tür aufgestoßen. Mein Bruder kam ins Zimmer gestürmt. »Leon, was machst du da?«, rief er und warf einen neugierigen Blick über meine Schulter. Was sollte ich um diese Uhrzeit am Schreibtisch machen? »Hausaufgaben«, brummte ich. »Morgens um halb sieben?«
»Wann denn sonst?«
Ich war der Älteste mit drei Geschwistern. Ich hatte eine Mutter, die als Kassiererin in einer Tankstelle für einen Hungerlohn arbeitete und einen Vater, der seit seinem Schlaganfall keinen Job mehr fand. Es waren Umstände, die mich zwangen, manchmal morgens Hausaufgaben zu machen. Ich schaffte das meiste Geld heran, weil wir sonst unsere Rechnungen nicht bezahlen konnten.
Doch immerhin hatte es einen netten Vorteil, wenn man für seine Familie sorgte: ein eigenes Reich.
Für sechs Personen war unsere Bude zu klein. Drei Zimmer, Küche, Bad und die ehemalige Kammer, die jetzt mein Zimmer war. Bevor ich sie für mich beansprucht hatte, wurden hier Vorräte aufbewahrt. Nun hatte ich endlich meine Ruhe, aber nur, wenn die Geschwister nicht nervten.
Wie gerade Luca.
»Papa hat gesagt, du sollst frühstücken kommen«, erklärte er.
»Hat er gesagt, Luca, hm?«
Unser Vater sagte seit seinem Schlaganfall kein Wort mehr, obwohl sein Sprachzentrum im Kopf unbeschädigt war. Doch er schämte sich, weil ihm das Formen von Lauten schwerfiel. Die linke Körperhälfte funktionierte nicht mehr hundertprozentig.
»Kommst du jetzt?«, drängelte Luca.
»Ja, bin gleich fertig«, murmelte ich. Es fehlte nur noch die Antwort zur letzten Biologieaufgabe.
In den naturwissenschaftlichen Fächern war ich gut. Eigentlich war ich ein Ass in Biologie und Chemie. Es war mein letztes Jahr an der Highschool, und wenn ich könnte, würde ich Biologie am College studieren und mir danach einen Job nach meinem Geschmack suchen. Wie gesagt, wenn ich könnte.
Aber das hatte sich von selbst erledigt, weil es eine zweite Familie in meinem Leben gab, die andere Pläne mit mir hatte.
»Leon!«
Ich kniff die Augen zusammen, um besonders böse zu gucken, und warf einen schnellen Blick hinter mich. »Welches der vier Worte hast du nicht verstanden, Luca?« Ich umklammerte die leere Coladose, nahm sie blitzschnell vom Schreibtisch und holte Schwung. »Verpiss dich endlich aus meinem Zimmer!«
Luca quiekte auf. Na ja, seine Reflexe waren ausbaufähig. Obwohl er zurückgewichen war und sich duckte, traf meine gezielte Attacke.
»Du bist blöd«, rief er und rieb sich mit der Hand die Stirn. Lachend verzog er sich, bevor das Buch ihn treffen konnte, das ich schon in der Hand hielt.
Nachdem Ruhe eingekehrt war, drehte ich meinen Oberkörper wieder dem Schreibtisch zu. Zehn Minuten später räumte ich meinen Kram für die Schule zusammen. Kurz warf ich einen Blick auf das schwarze, verschnörkelte B auf meinem linken Handrücken, schnappte den Rucksack und verließ das Zimmer.
Das tätowierte B und mein ebenfalls schwarzes, faustgroßes Pittbull-Tattoo, das ich über dem Herzen trug, waren die Zeichen dafür, dass ich zu den Blooddogs gehörte.
Wir lebten in der Bronx, dem nördlichsten Stadtbezirk von New York City. Hier war alles multikulturell. Es gab viele Einwanderer aus Italien, Lateinamerika und Afrika. Die Gang gehörte zur Mafia. Es gab sie schon zwei Jahrzehnte in unserem Viertel und war kurz nach dem Schlaganfall meines Vaters meine sogenannte zweite Familie geworden – mittlerweile schon über ein Jahr.
Früher hatten wir in Manhattan gewohnt, sodass meine Geschwister und ich auch dort weiterhin zur Schule gingen.
Meine Mutter fand die Bildung dort besser, weil sie uns mehr Chancen für die Zukunft bot. Womit sie recht hatte, wenn sie dabei an meine Geschwister dachte. Milo war dreizehn, Luca elf, Noemi fast sieben.
Ich war letzte Woche achtzehn geworden. Bis zum Ende des Seniorjahrs hatte ich noch Zeit, ein einigermaßen normales Leben zu führen. Danach würde ich bis zum Ende meines fucking Daseins ein Krimineller sein, höchstwahrscheinlich irgendwann in den Knast einfahren. Es sei denn, ich hätte Glück und stieg in der Ganghierarchie weit nach oben.
Aber im Moment war ich ganz unten die kleine italienische Ameise, die jederzeit zertreten werden konnte und die mit einem Bein schon in einer Zelle stand.
»Morgen Papa«, rief ich in die Küche. Ich ließ den Rucksack von der Schulter rutschen und auf den Boden plumpsen. Mit dem Fuß schob ich ihn im Flur an die Wand.
Mein Vater nickte mir zu, statt zu antworten.
Ich wandte meinen Blick zum Tisch und stutzte.
»Was zur Hölle wollt ihr da mampfen?«, schimpfte ich und funkelte verärgert meine Brüder an. Wenn ich nicht aufpasste, kippten sie sich diese ekelhaft süßen Peanutbutter-Puffs in ihre Müslischüsseln.
Ich sah verärgert zu meinem Vater, der nichts tat, als meine Brüder und mich anzustarren. »Willst du was sagen?«, fragte ich ihn, weil dieses Gestarre mir nur noch auf den Sack ging. Daraufhin tat mein Vater, was er dann immer tat. Er versteckte sein Gesicht hinter der Zeitung. Vielleicht besser so.
Wenigstens konnten ihm die Physiotherapeuten beibringen, die Zeitung so zu halten, dass sie ihm nicht aus der Hand rutschte.
»Ich mache euch Gemüse-Rührei«, sagte ich streng, während ich aus dem Kühlschrank die notwendigen Zutaten heraussuchte, damit Milo und Luca gar nicht erst in Versuchung kamen, mir zu widersprechen.
Sie versuchten trotzdem ein schwaches Aufmüpfen.
»Wieso müssen wir das essen, was du willst?«, maulte Luca.
»Weil ich der Älteste bin«, konterte ich, drehte ihm mein Gesicht zu und zog belustigt eine Augenbraue hoch.
»Hmpf, was für eine doofe Begründung«, murmelte Milo.
Nö, ist nur eine Tatsache, dachte ich, grinste in mich hinein, während ich zehn Eier in die Glasschüssel schlug und so tat, als wenn ich ihn nicht gehört hätte.
Nachdem ich mit Salz und Pfeffer die Eier gewürzt hatte, schnippelte ich Paprika, Zucchini und Tomaten in mundgerechte Stücke. Ich kippte das Gemüse mit einem Schwung Milch zur Eimasse, um dann alles zu verrühren.
Ein leckerer Duft stieg aus der Pfanne auf. Nun schienen selbst meine Brüder von dem gesunden Frühstück begeistert zu sein. Kaum hatte ich die Pfanne vom Herd genommen, hielten sie mir ihre Teller entgegen und schauten mit gefräßigen Augen zu mir. Ich zwinkerte ihnen zu. »Na, wohl doch die bessere Alternative?«
Ich häufte jedem eine Portion auf den Teller. Dann nahm ich die Espressokanne vom Herd, um mir Kaffee einzuschenken, und plumpste auf den Stuhl.
»Wo ist Noemi?«, fragte ich in die Runde.
»Hier.« Meine Schwester kam eilig herein. Sie kletterte mit einem Werbeprospekt in der Hand neben mir auf den Stuhl. »Magst du Ei?«, fragte ich sie.
»Hab schon Puffs gegessen«, sagte sie und fing sich einen missbilligenden Blick von mir ein. »Du sollst den Mist nicht essen.«
»Mist sagt man nicht«, kam es prompt von ihr zurück.
Wo sie recht hat …
Noemi besaß den Status des Nesthäkchens, sodass ich bei ihr mehr durchgehen ließ als bei meinen Brüdern.
»Du isst morgen aber Obst zum Frühstück«, bestimmte ich mit ernster Miene. Ein bisschen Strenge musste auch bei ihr sein.
»Okay?«, hakte ich nach, weil sich unsere Prinzessin ausschwieg.
Noemi verdrehte die Augen. »Jaja«, sagte sie und schlug den Prospekt vor mir auf.
Ich schob den Teller beiseite. »Was willst du mir zeigen?«
Noemi strahlte mich an. »Ich habe doch nächste Woche Samstag Geburtstag, Leon.«
»Und du hast dir schon mal ein Geschenk ausgesucht.«
»Mm-hm.« Mit der Zungenspitze über die Oberlippe streichend, suchte sie mit Augen und Zeigefinger nach dem Bild, das sie mir zeigen wollte. »Da, die Turnschuhe möchte ich haben.«
»Die Skechers Energy Lights, die mit den Lichteffekten an der Sohle, echt jetzt?«
»Ja, die sind sooo schön.«
Und verdammt teuer. »Meinst du denn, dass du diese Sneakers verdienst?« Grinsend zupfte ich an ihrem dunkelbraunen Pferdeschwanz. »Es sind doch nur blinkende Schuhe.«
Noemi sah mich ernst an. Sie ließ sich von ihrem Stuhl gleiten und kletterte mir zugewandt auf meinen Schoß.
Tief seufzend klimperte sie mit ihren langen schwarzen Wimpern, sah mit ihren braunen Augen zu mir hoch und hielt mein Gesicht in ihren kleinen Händen. »Ich werde nur einmal sieben, Leon.« Sie machte eine bedeutungsvolle Pause. »Kannst du Mama überreden, mir diese wunderschönen Schuhe zu kaufen?«
Um nicht loszulachen, wie altklug sie daherplapperte, biss ich mir auf die Unterlippe. »Stimmt, Noemi, du wirst sieben«, sagte ich und verpasste ihr einen Nasenstüber. »Ich rede mit Mama.«
»Damit sie mir die leuchtenden Schuhe kauft, ja?«, bohrte sie nach.
»Natürlich, Prinzessin«, sagte ich sanft. »Wir bekommen das mit deinem Geburtstagsgeschenk hin.«
»Oh, danke, Leon«, rief Noemi glücklich. Sie klatschte in die Hände und warf sich dermaßen heftig gegen meine Brust, dass ich aufpassen musste, mit ihr nicht vom Stuhl zu kippen.
»Du hast es echt drauf, Prinzessin, Männer um den kleinen Finger zu wickeln, damit sie dir deine Wünsche erfüllen«, brummte ich. Noemi hatte Glück, dass ich heute Nachmittag drei Jobs zu erledigen hatte. Nicht auf die Art, wie andere gern Kohle verdienten.
Doch was soll’s. Wenn ich die Jobs nicht machte, übernahm sie ein anderer.
»Okay, dann lass mir den Prospekt hier«, sagte ich und neigte den Kopf zur Seite. »Hast du schon Zähne geputzt?«
»Ja, Mama hat mich ins Bad geschickt, bevor sie zur Arbeit losmusste.« Mir entging nicht, dass Noemis Wangen sich röteten.
»Sicher?«
Sie nickte zögernd.
»Hauch mich –«
»Schon gut«, unterbrach mich Noemi. Stöhnend rollte sie mit den Augen, rutschte vom Stuhl und rannte aus der Küche.
»Wie spät?«, fragte Luca und schaufelte sich sein Frühstück in den Mund.
»Verdammt, gleich halb acht, beeilt euch«, forderte ich meine Brüder mit Blick auf mein Handy auf.
Hektisch steckte ich es in die Jeans zurück, trank den Kaffee aus und sprang vom Stuhl hoch. Auf dem Weg zur Spülmaschine leerte ich den Teller.
»Bis später, Papa«, nuschelte ich. Dann deutete ich mit dem Daumen über die Schulter Richtung Flur und rief meinen Brüdern zu: »In fünf Minuten müssen wir los.«
Mit Noemi auf dem Arm hastete ich die Treppe hinunter, Milo und Luca folgten mir. Heute war Freitag. Ich hatte keinen Bock auf Nachsitzen wegen Zuspätkommens.
»Ciao Leon«, rief mich auf der Straße eine bekannte Stimme. Ich drehte mich um und entdeckte Alina, die mit mir die Seniorklasse besuchte.
»Ciao«, grüßte ich zurück. Meine Brüder schafften nur ein unwilliges Brummen, Noemi schaute schüchtern zu Alina. Kein Wunder. Alina war eine klasse Braut. Sie hatte langes kastanienbraunes Haar, ihr Körper war an den richtigen Stellen kurvig.
»Soll ich deine Geschwister zur Schule mitnehmen?« Alina lächelte. Sie wusste, dass ich lieber auf meinem Bike fuhr.
Sie lebte mit ihren Eltern in Manhattan und kam ein bis zwei Mal die Woche hierher, wenn sie ihre ältere Schwester über Nacht besuchte. Wenn wir uns trafen, nahm Alina mir meistens die Verpflichtung ab, meine Geschwister zur Schule mitzunehmen. Sie wäre mit mir gern zusammen, aber ich war bei den Blooddogs und hatte keine Zeit für eine Beziehung.
»Wäre cool, wenn du sie mitnimmst«, bedankte ich mich bei ihr.
Alina winkte meinen Geschwistern zu. »Na, dann kommt.«
Meine Brüder brauchten nicht gedrängt werden. Sie saßen lieber im Cabrio, statt in unserer Familienkutsche, dagegen brauchte Noemi einen Schubs.
Ich neigte meinen Mund zu ihrem Ohr: »Wie war das mit den blinkenden Schuhen?«, raunte ich ihr zu und stellte sie auf den Boden.
Meine Worte zeigten die gewünschte Wirkung. Noemi hob den Zeigefinger. »Du redest wirklich mit Mama.«
»Mal gucken.« Ein Quäntchen Ungewissheit wollte ich mir bewahren.
Noemi lächelte wissend. Schließlich drehte sie sich um und lief zu Alinas Auto.
Ich steckte den Autoschlüssel in das vordere Fach meines Rucksacks und steuerte gutgelaunt auf mein Bike zu, eine schwarze Honda Fireblade, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand. Sie war mit unserem Ford eins der letzten hochwertigen Überbleibsel aus der Zeit, als mein Vater einen gutbezahlten Job als Finanzbuchhalter in einem Biotechunternehmen hatte.
Plötzlich stutzte ich.
Was macht der fette Typ da an meiner Karre?
»Hey Alter, nimm deine Scheißpfoten von meiner Maschine oder du kannst in Las Vegas eine Karriere als einarmiger Bandit beginnen«, brüllte ich dem Typen entgegen, der neben meinem Motorrad stand und seine widerlichen Wurstfinger über den Lack streifen ließ.
Erschrocken fuhr er zusammen. »Hey, bleib mal locker«, rief er mir zu, hob die Hände und wich zurück. »Ich wollte mir nur dein Baby ansehen.«
»Das hast du nun.« Der Typ war mir unbekannt, weshalb ich gleich auf Angriff schaltete.
Die Hände in die Hüften gestemmt, baute ich mich vor ihm auf. Ich fixierte sein Gesicht. »Hast du überhaupt einen blassen Schimmer, wer ich bin?«
Der Typ schüttelte den Kopf. »Nee, Mann, keine Ahnung.«
»Ach, wirklich?« Schon schnellte meine rechte Hand nach vorn und ich packte ihn am Kragen seines ausgeleierten Poloshirts.
Finster war mein Blick, während ich ihm meinen linken Handrücken mit dem schwarzen Buchstaben vor die Nase hielt.
»Erkennst du das?«, fragte ich grob.
Der Typ erstarrte. Langsam nickte er, ohne einen Ton von sich zu geben. Der Anblick meines Tattoos hatte ihn sprachlos gemacht.
»Hallo, ich höre nix«, fuhr ich ihn an, neigte den Kopf zur Seite und wölbte meine Hand hinter dem Ohr.
Ich registrierte, wie seine Lippen bebten, eine Schweißperle über seine Schläfe rann. »D-du bist ein Gangster … einer von den B-Blooddogs«, stammelte er.
»Richtig.« Zufrieden tätschelte ich seine Wange. Ich brauchte nicht einmal groß auf hart machen, um den nötigen Respekt zu bekommen.
Ich ließ den Typen los, stieß ihn zurück und schenkte ihm ein Grinsen. »Zieh Leine.«
Der Typ nickte. Das Angebot nahm er gern an.
Ich blickte ihm nach und schüttelte lachend den Kopf. Man könnte meinen, der Teufel wäre hinter ihm her.
Die Ray-Ban auf die Nase geschoben, kramte ich den Motorradschlüssel hervor. Ich stieg auf mein Bike, startete den Motor und lauschte einen Moment dem geilen Sound, bevor ich den Blinker setzte und mich in den Verkehr einfädelte.

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2. Quinn

Ein schrilles Geräusch drang an mein Ohr. Ich hatte das Gefühl, ein Presslufthammer dröhnte in meinem Schädel, dabei war es nur der Wecker, der mich aus dem Schlaf riss.
Ich kniff die Augen zusammen, schob meinen Arm unter der Decke hervor und tastete nach dem lärmenden Ding, um es auszuschalten.
Ist es echt schon halb sechs? Himmelherrgott, war ich müde.
Aber war das ein Wunder?
Die Biologiehausaufgaben hatten es in sich gehabt. Ich mochte das Fach, doch manchmal war das alles unfassbar anstrengend und ich saß Stunden an den Aufgaben. Trotzdem war es das Fach, das ich zu gern an der Universität studieren wollte.
Gähnend rieb ich mir das Gesicht und ließ mich langsam aus dem Bett gleiten. Während ich mein glattes dunkelblondes Haar zu einem lockeren Knoten im Nacken zusammenfasste, schleppte ich mich zum Schrank, um mir ein bequemes Sportoutfit herauszusuchen.
Innerhalb der Woche frühstückten Dad und ich gemeinsam, und das bereits um sieben Uhr. Dafür joggte ich morgens zum East Fruit Market, um frisches Obst für unser Müsli zu kaufen. Dad war beruflich eingespannt. Sein Terminkalender war bis zum Bersten voll, weil er viel Verantwortung für sein Unternehmen trug, das Diabetesmedikamente entwickelte und herstellte. Immerhin hatten wir nur noch uns, nachdem Mom vor anderthalb Jahren mit einem seiner Manager durchgebrannt war.
Glücklicherweise, wenn man das so sagen durfte, war vor einem Monat endlich die Scheidung durch, Ruhe in Dads und somit auch in mein Leben eingekehrt. Die Anwälte hatten um eine Menge Geld gestritten.
Da Mom selten Zeit mit mir verbracht hatte, war es für mich nicht so dramatisch gewesen, als sie ihre Koffer gepackt hatte und fortgegangen war. Dad war schon immer mein wichtigster Bezugspunkt, weswegen wir jeden Morgen das Frühstück nutzten, um uns über Gott und die Welt zu unterhalten.
Ein weiterer positiver Punkt unseres Rituals war, dass ich meine Sportnote aufpeppen konnte. Laufen war für mich okay, wenn ich nicht hetzen musste, jedenfalls fand ich es besser als den komischen Parkour, den wir fast jede Woche im Sportunterricht aufgedrückt bekamen. Schon allein die Geräte aufzubauen, war so nervig anstrengend. Um ehrlich zu sein: Ich hasste Sport. Alles, was mich körperlich ans Limit brachte, fand ich bescheuert.
Aber einen Parkour laufen, den Weg mit Hindernissen vom Start bis zum Ziel möglichst effizient und schnell überwinden … Boah, das war die Hölle für mich. Ich lächelte in mich hinein, als meine Gedanken zu Leon Zampori schweiften. Heimlich schwärmte ich für ihn. Während des Sportunterrichts klebten meine Augen regelrecht an seinem schätzungsweise eins neunzig großen, muskulösen Körper.
Der Typ war echt schön, ein Traum von einem Kerl. Er hatte ein markantes Gesicht, volle Lippen und samtbraune Augen, die so dunkel waren wie sein dickes Haar. Doch da er oft die dichten Augenbrauen zusammenzog, die Leute mit seinem finsteren Blick unsicher machte, wirkte er respekteinflößend, weswegen ich Abstand von ihm hielt.
Vermutlich war es mit einer der Gründe, warum er mich nicht wahrnahm. Na ja, manchmal guckte er mich komisch an und ich schaute schnell weg. Keine Ahnung, warum er das machte. Aber im Sportunterricht hatte ich noch nie mitbekommen, dass er über mich lachte. Wenn ich mich beim Parkour zum Horst machte und ein großer Teil der Klasse mich verspottete, unterhielt er sich stattdessen mit seinen Freunden.
Ganz ehrlich, ich war froh, dass er mein hilfloses Gekraxel nicht wahrnahm. Weil ich dann nicht nur vor Anstrengung schwitzen und rot anlaufen, sondern wie ein Feuermelder glühen würde.
Ich schüttelte über mich selbst den Kopf, rieb mir mit den Fingerspitzen die Augen, um meine Gedanken wieder auf mein jetziges Vorhaben zu lenken.
Schnell schnappte ich mir meine Nikes, schlüpfte hinein und verließ mein Zimmer. Ich schlich die Treppe unseres zweistöckigen Penthouse hinunter, um Dad nicht zu wecken. Er würde um halb sieben aufstehen, sich fertigmachen und den Kaffee für uns vorbereiten.
Rasch eilte ich zum Lift, der direkt von der Eingangshalle zu unserem Penthouse führte, stieg ein und fuhr nach unten.
Nachdem ich mich kurz aufgewärmt hatte, dehnte ich mich kurz und lief los.
»Hey Quinn, warte.« Schnelle Schritte näherten sich mir. Ich hielt an, lief auf der Stelle und drehte mich der Stimme zu.
Hazel kam von hinten mit winkenden Händen zu mir gelaufen. Sie sah aus, als wäre sie frisch einem Sportkatalog entstiegen. Das Haar hatte sie zum Pferdeschwanz hochgebunden, zu einem weißen Calvin Klein-Hoodie trug sie eine schwarze Sportleggings und farblich passende Turnschuhe.
»Wo willst du hin?«, fragte sie mich und lächelte. »Ich wusste gar nicht, dass du läufst.«
Ich warf ihr einen verwunderten Blick zu. Hazel und ich besuchten die gleichen Kurse an der Highschool, aber meistens ignorierte sie mich. Ehrlich gesagt, den Beste-Freundinnen-Status würden wir nie erreichen, eher fror die Hölle zu. Das störte mich aber nicht. Ich war sowieso eher ein Einzelgänger und hatte nur eine richtige Freundin. Olivia. Doch sie war ein noch größerer Sportmuffel als ich. Sie hätte mir nur einen belustigten Blick zugeworfen, wenn ich sie gefragt hätte, ob wir zusammen morgens joggen wollten. Also verkniff ich mir die Frage.
»Ich laufe manchmal zum East Fruit Market, Obst fürs Frühstück kaufen.«
»Das ist meine Richtung, falls es für dich okay ist, begleite ich dich«, schlug Hazel vor.
»Klar.« Ich nickte und betete im Stillen, dass sie ihr Tempo bloß nicht erhöhte. Ich hatte keine Lust, wie eine Ente mit Schnappatmung neben ihr herzutraben. Ich war jetzt schon an der Grenze meiner Belastbarkeit angelangt. Nur mit viel Mühe konnte ich meine Zunge zurückhalten, nicht aus dem Mund zu purzeln und am Boden zwischen meinen Füßen lang zu schleifen. Mann, war ich fertig und der Laden noch eine halbe Meile entfernt.
Schweigend liefen wir weiter, Hazel im gleichmäßigen Rhythmus, ich versuchte, irgendwie auf ihrer Höhe zu bleiben.
Schließlich unterbrach Hazel das Schweigen. »Du, Quinn?«
»Hm?«
»Hast du Lust, heute Abend auf meine Party im Wochenendhaus meiner Eltern zu kommen?«
»Äh … Ich weiß nicht.« Unsicher sah ich Hazel von der Seite an. Bisher hatte mich niemand auf eine Party eingeladen.
Warum jetzt?
So ganz wusste ich nicht, ob ich mich über die Einladung freuen sollte, oder ob es besser wäre, zu Hause zu bleiben. Puh, ich hatte keine Ahnung.
»Ach, komm, Quinn, die halbe Klasse ist da. Und weißt du, wer mit einer Überraschung zu uns stoßen wird?«
»Nein.« Ich schüttelte den Kopf. Woher sollte ich das wissen?
»Leon.« Hazel quiekte aufgeregt. »Ich habe ihn angeheuert.«
Einen Augenblick verstummte sie und schaute sich um. Anscheinend hatte sie mir etwas zu sagen, was niemand wissen sollte.
»Was für eine Überraschung?«, hakte ich nach und spürte, wie Schmetterlinge in meinem Bauch herumflatterten und mich für einen Augenblick vergessen ließen, dass Hazel viel zu schnell für mich lief.
Hazel zwinkerte mir zu, ohne länger darauf einzugehen, von welcher Überraschung sie gesprochen hatte.
Aber schon allein die Vorstellung, Leon auf der Party zu begegnen, ließ meinen Mund unerlaubt für mich antworten: »Ich würde gern kommen.«
Hazel strich mir über den Rücken. »Fein, ab sieben geht’s los, ich zähl auf dich.« Lächelnd nickte sie mir zu, nachdem sie mir die Adresse genannt hatte, dann bog sie nach links ab und drehte sich zu mir um. Rückwärts laufend rief sie: »Bis später.«
»Ja, wir sehen uns.« Ich stoppte meinen Lauf, weil ich dringend eine extra große Portion Luft brauchte. Keuchend stützte ich die Arme in die Hüften und japste. Uff, war ich außer Puste.
Ich atmete ein paarmal tief durch und schaute wieder zu Hazel hinüber. Doch sie war längst davongerauscht. Ich nahm an, dass sie die nächste Querstraße reingelaufen war und sich bereits auf dem Rückweg befand.
Als mein Atem wieder regelmäßiger wurde, setzte ich den Weg fort. Eine innere Vorfreude erfüllte mich und ließ meine Hormone durchs Blut wirbeln.
Der Zustand hielt noch an, als ich mit der Obsttüte zu Hause ankam. Heute würde ich nicht nur das erste Mal eine Party besuchen, sondern auch das erste Mal Leon außerhalb der Schule treffen. Ich war gespannt, ob er mich dort bemerken würde und dann Lust hätte, mit mir ein bisschen zu reden. Falls es so wäre, konnte ich nur hoffen, dass mir irgendetwas Gescheites einfiel, statt ihn stumm anzuglotzen.

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Impressum - Leseproben

YOU & ME – forever and ever ist die überarbeitete Fassung der Du.Ich. - Zweiteiler von Jenna Stean
Copyright © 2021 by Jenna Stean
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Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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