Über das Buch

Am 14.Juli 2019 veröffentlichte Jennna Stean mit "TOUCHDOWN - Wenn Liebe trifft" wieder einen humorvollen Roman. Damit begründete Jenna Stean zugleich den Auftakt zu ihrer "TOUCHDOWN - Reihe", wobei jeder TOUCHDOWN - Roman eine abgeschlossene Handlung beinhaltet. Am 21. November 2019 folgte mit "TOUCHDOWN - Wer Liebe wagt, gewinnt", der zweite Roman der Touchdown - Reihe. Der dritte und zugleich letzte Teil, "TOUCHDOWN - Liebe entscheidet", ist seit 31. März 2020 bei Amazon erhältlich.

Auf dieser Seite geben wir Ihnen erste Einblicke in die Handlung von Teil 3 und hoffen somit, Sie für den Roman begeistern zu können. Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits den Klappentext, die Cover zum Buch, Informationen zu den Hauptfiguren sowie diverse Leseproben an. Sind Sie überdies an Leseproben und weiteren Informationen rund um das Buch interessiert, dann abonnieren Sie unseren kostenfreien Newsletter.

Daten zu "TOUCHDOWN - Liebe entscheidet"

Release: 31. März 2020 bei Amazon
Seitenzahl: 618 (eBook), 457 (Druck)
Preis: 1,99 € (eBook), 13,64 € (Druck)
ISBN: 9798623361455

Klappentext

Gibt es Regeln? Nicht für Ray.

Ray liebt Football. Mit den Jungs aus seinem Viertel trifft er sich regelmäßig zum Spiel. Außerdem haben sie Spaß daran, Partys zu crashen. Auf einer trifft er Ellie und verliebt sich in sie. Leider zur falschen Zeit. Zufällig entdeckt ihn Chefcoach Frank Eliot und holt ihn an die Michigan in das Collegefootballteam. Doch Ray hat Schwierigkeiten an der Uni. Er steht kurz vor dem Verlust seines Stipendiums. Die hübsche Tochter des Chefcoachs könnte ihm helfen. Frank Eliots einzige Bedingung: Ray soll die Finger von ihr lassen. Das sollte kein Problem sein. Denn das Letzte, was Ray will, ist Stress mit dem Coach. Aber dann lernt er die Tochter kennen und es beginnt ein Spiel mit dem Feuer – und Ray riskiert alles …

TOUCHDOWN – Liebe entscheidet ist ein weiterer in sich abgeschlossener Sports Romance-Roman. Humorvoll, spannend und mit viel Gefühl.

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Die Cover zum Buch

Ellie und Ray - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Ellie Eliot, 20 Jahre

Familie: Die Eltern sind geschieden. Ellie lebt mit der Mutter in Worcester, der Vater in Ann Arbor. Er ist der Chefcoach des Collegefootballteams der Michigan. Als die Mutter mit dem Freund beruflich nach Europa geht, zieht Ellie zu ihrem Vater.

Freundin: Eve

Beziehungen: Ein Exfreund und ein kurzer Flirt mit Ray.

Charakter: selbstbewusst, humorvoll, schlagfertig

Äußeres: groß, schlank, braune Augen, schulterlanges braunes Haar

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Ray Collister, 21 Jahre

Familie: Die Eltern haben ihren Job verloren, der Bruder studiert an der Michigan. Ray wird vom Chefcoach Frank Eliot entdeckt und überredet, ein Studium an der Michigan aufzunehmen, um im Collegeteam Football zu spielen.

Freunde: seit der Kindheit Zane, später Raoul, Lucas und Dylan

Beziehungen: Eine Exfreundin und ein kurzer Flirt mit Ellie.

Charakter: humorvoll, selbstbewusst, dickköpfig

Äußeres: groß, muskulös, braune Augen, schwarze Haare

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Kapitel 1 - Ray

Nach einer knallharten Woche auf dem Bau war endlich Freitag und ich freute mich auf das Wochenende. Meine Buddys und ich würden Football spielen, Party machen und bis nachmittags pennen. Es war Mitte August. Nächste Woche begann das neue Semester. Hey, jetzt aber daraus keine falschen Schlüsse ziehen. Es würde nicht für mich, sondern für meinen Bruder beginnen.
Seit zwei Jahren studierte er auf der Michigan State University. Aiden war schon auf der Highschool ein nerviger Streber. Wir ähnelten uns kein bisschen. Trotz dessen zollte ich ihm meinen Respekt. Sein früher Eifer hatte sich ausgezahlt. Die Uni bezahlte Aiden ein fettes Stipendium.
Auch ich hatte letztes Jahr den Highschool-Abschluss geschafft – mit ganz passablen Noten –, aber im Gegensatz zu Aiden hatte ich es vorgezogen, mir gleich einen Job zu suchen. Auf dem Bau verdiente ich ganz gut, und meine Eltern waren froh darüber.
Vor zwei Monaten hatten sie ihren Job in der Schokoladenfabrik verloren – wie einige Leute aus unserem Viertel. Das Unternehmen war pleite gegangen.
Da Mom und Dad fast fünfzig waren, sah es für sie auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht aus. Wir brauchten uns nichts vorzumachen. Ihre Chancen tendierten gegen null, einen neuen Job zu finden.
Keine Ahnung, worüber ich mehr verärgert war. Dass reiche Arschlöcher die Firma gegen den Baum gefahren hatten und meine Eltern deshalb arbeitslos waren oder dass ich nicht mehr mit kostenloser Schokolade aus der Fabrik versorgt wurde. Ich war ein Schokoladenjunkie und hatte deshalb unfreiwillig einen kalten Entzug machen müssen. Das klang jetzt vermutlich verrückt, aber mir fehlte für solche Extras das nötige Kleingeld. Einen Teil meines Lohns gab ich Mom, damit sie die Rechnungen bezahlen und unseren Kühlschrank füllen konnte. Der Rest ging für mein Bike und Zigaretten drauf. Außerdem für coole Klamotten, auch wenn man mir das gerade nicht ansah.
Egal, genug über den Scheiß nachgedacht. Ich war um sechs Uhr mit meinen Bros verabredet und spät dran. Nachdem ich die Haustür zugezogen hatte, schob ich meine schwarze Ray-Ban Clubmaster auf die Nase. Ein letztes Mal zog ich an der Kippe, bevor ich sie auf die Straße schnipste und austrat.
Lächelnd schlenderte ich zu meinem Bike: eine Yamaha YZF R6. Die Karre war mein ganzer Stolz.
Gänsehaut rann mir über den Rücken, als ich sie startete. Der Sound meines Bikes klang wie tiefe harte Bassschläge. Nie würde ich mich an dem Motorengeräusch satthören können.
Geschickt fädelte ich mich in den dichten Verkehr ein und beschleunigte. Wie ein Slalomläufer umkurvte ich die langsam fahrenden Autos.
»Was soll das, du Idiot!«, hörte ich hinter mir einen Autofahrer schimpfen. Wie irre begann er zu hupen. Ich drehte mich um und zeigte ihm grinsend den Mittelfinger. Was’n Affe. Über sein sinnloses Gehupe und Gemotze konnte ich nur lachen und schlängelte mich weiter durch die Autos hindurch.
Der Parkplatz auf dem Gelände der stillgelegten Schokoladenfabrik lag neun Meilen vom Haus meiner Eltern entfernt. Wir trafen uns dort mittwochs, freitags und sonntags, um mit anderen Typen Football zu spielen, egal wie abgefuckt das Wetter war. Es müsste schon ein Tornado auf dem Parkplatz wüten, damit wir auf unser Spiel freiwillig verzichten würden.
Seit meinem achten Lebensjahr spielte ich Football. Obwohl ich mittlerweile neunzehn war, faszinierte mich der Sport noch immer.
Früher wollte mich der Chefcoach unserer Highschool trainieren. Ich sollte als Wide Receiver eingesetzt werden. Ich besaß enorme Sprungkraft, konnte sicher fangen und ließ keine Bälle fallen. Außerdem blockte und tackelte ich hart und war verdammt schnell. Aber auf diesen gehypten Highschool-Football hatte ich keinen Bock. Auf der Straße hatten wir unsere eigenen Regeln, nach denen wir spielten.
Wenn ich aber mal genau darüber nachdachte … Spielten wir überhaupt nach Regeln?
Na ja, wir legten sie immer so aus, wie es uns während eines Spiels gerade passte.
An einer Kreuzung musste ich halten. Die Ampel war für meine Richtung auf Rot gesprungen.
Plötzlich hörte ich ein helles Lachen, das über die Motorengeräusche hinweg zu mir getragen wurde.
Ich drehte mein Gesicht nach rechts und suchte mit den Augen nach der Frau, die so ein schönes Lachen hatte.
Sie stand mit ihrer Freundin vor einem Eiscafé. Ich kaute auf der Unterlippe, beobachtete, wie sie ihr Eis genoss. Holy fuck. So dürfte sie mich mit ihrer Zunge gern abschlecken. Das sah echt heiß aus.
»Hey Süße!«
Sie schien nicht zu begreifen, dass ich sie meinte.
»Du, mit dem gelben T-Shirt!«
Irritiert schaute sie mit großen Augen in meine Richtung.
»Kann ich dein Eis haben?«, fragte ich frech.
Sie starrte mich weiter sprachlos an.
Ich hob die Hand und winkte ihr zu, damit sie verstand, dass sie zu mir kommen sollte. Uns trennten höchstens fünf Meter.
Ihr Mund klappte auf und sie schnappte nach Luft. Die Stirn in Falten gelegt, fuhr sie mich an: »Kauf dir gefälligst dein eigenes Eis!« Sie legte den Kopf leicht schräg und betrachtete mich. »Und ein paar anständige Klamotten.«
Ich lachte. »Warum? Mach doch kein Drama draus. Ich lade dich morgen auf ein Date ein und du bekommst ein neues Eis spendiert und mich dazu, wie aus dem Ei gepellt.«
»Ein Date mit dir? Vergiss es«, rief sie kopfschüttelnd und lachte.
Schau an, sie ist nicht auf den Mund gefallen. »Sicher?«, vergewisserte ich mich. »Du hast keine Ahnung, was dir entgeht.«
»Ich bin mir absolut sicher, dass ich kein Date mit dir will«, erwiderte sie mit einem süßen Grinsen im Gesicht.
Okay, Pech gehabt. Eigentlich war sie ganz hübsch. Groß, schlank, mit schulterlangen braunen Haaren. Ich wäre tatsächlich nicht abgeneigt gewesen, sie zu daten, wenn sie gewollt hätte.
Die Ampel schaltete auf Grün. »Schade«, rief ich ihr und ihrer Freundin zu und zuckte mit den Achseln. »Habt einen schönen Tag, Ladys.« Ich wandte den Blick wieder nach vorn, ließ den Motorsound meines Bikes kräftig dröhnen und brauste davon.

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Kapitel 2 - Ellie

»So ein Verrückter«, meinte meine Cousine Eve lachend. »Und ganz schön von sich eingenommen«, sagte ich kopfschüttelnd und stimmte in ihr Lachen ein. Ob der Typ das mit dem Date ernst gemeint hatte? Vermutlich war das nur ein Scherz von ihm gewesen. Schmunzelnd schaute ich ihm einige Sekunden hinterher und beobachtete, wie er sich auf seinem Motorrad durch den Verkehr hindurchschlängelte. Dann beugte er seinen Oberkörper leicht nach links, um abzubiegen, und ich verlor ihn aus den Augen. Ich seufzte. Irgendwie fand ich ihn ganz witzig, aber das war jetzt unwichtig. Wir würden uns nie wiedersehen. Davon war ich in diesem Moment überzeugt.
»Kennst du ihn?«, fragte ich Eve, nachdem ich ihr mein Gesicht zugewandt hatte.
Sie schüttelte den Kopf und verzog den Mund. »Noch nie gesehen. Er scheint nicht aus unserem Viertel zu sein. Bei uns würde keiner in Jogginghose und abgetragenem Shirt herumlaufen.«
Nein, vermutlich nicht. Irgendwie passte er wirklich nicht in die Gegend, wo mein Dad sowie Eve mit ihrer Familie lebten. Dafür war der Typ zu cool und zu locker drauf. Er wirkte auf mich, als ob es ihm egal wäre, ob jemand reich war oder nicht. Dads Nachbarschaft dagegen benahm sich protzig. Es ging nur darum, wer das größte Auto fuhr, wer mehr Geld besaß und wer den besseren Schönheitschirurgen kannte.v Boah, einfach ekelhaft. Ich schüttelte mich innerlich. Nachdem wir unser Softeis aufgegessen hatten, schlenderten wir zur Bushaltestelle, um nach Hause zu fahren. Heute Abend fand eine Party statt, auf die ich Eve begleiten sollte. Ich war nicht scharf auf ihre Freunde. Aber ich hatte es ihr versprochen, weil ich Sonntagabend wieder zu meiner Mutter und ihrem Freund fliegen würde. Montag begann mein erstes Semester. Ich hatte gerade die Highschool beendet. Einerseits war ich traurig, dass die Ferien fast vorbei waren, doch andererseits freute ich mich auf meinen neuen Lebensabschnitt.
Am liebsten würde ich auf der Michigan State University studieren, aber das wollte ich Mom nicht antun. Dad war dort seit vier Jahren Chefcoach der Collegefootballmannschaft, davor hatte er lange Zeit das Footballteam der Worcester State University trainiert, wo ich jetzt mein Studium beginnen würde.
Mittlerweile waren meine Eltern seit fünf Jahren geschieden. Mein Vater war aufgrund seines Jobs selten zu Hause gewesen, weswegen es oft Streit gegeben hatte.
Ich war damals tatsächlich froh gewesen, als sie sich entschlossen hatten, einen Schlussstrich unter ihre Ehe zu ziehen. Die lautstarken Auseinandersetzungen waren schrecklich gewesen, und damals hatte ich das Gefühl gehabt, zwischen zwei Stühlen zu sitzen.
Irgendwie verstand ich Dad, genauso wie Mom. Er liebte seinen Job und trug eine Menge Verantwortung. Mom war damit nicht zurechtgekommen und hatte sich oft zurückgesetzt gefühlt. Ein furchtbares Dilemma. Denn wenn Dad für sie den Job aufgegeben hätte, wäre er unglücklich gewesen. Und das hätte wiederum Mom traurig gestimmt. Manchmal passten Lebenskonzepte einfach nicht zusammen.
Nach der Scheidung war ich bei meiner Mutter in Massachusetts geblieben. Doch der Kontakt zu meinem Vater war nie abgebrochen. Die Sommerferien verbrachte ich immer bei ihm in Ann Arbor.
Mom und ihr Freund machten währenddessen lange Reisen nach Europa oder Asien. Da sie die meiste Zeit in Museen und Galerien herumhingen und ich mir aus dem ganzen Kulturscheiß nichts machte, blieb ich lieber bei Dad. Außerdem war die Distanz zu groß, sodass es sich nicht lohnte, mal so zwischendurch zu ihm zu fliegen.
»Der Bus!«, rief plötzlich Eve und riss mich aus meinen Gedanken. Sie packte mich am Arm und schleifte mich mit sich. So schnell wir konnten, preschten wir zur Haltestelle. Fast hätten wir den Bus verpasst. Kaum waren wir hineingesprungen, schloss der Fahrer die Türen und blinkte.
Während der Bus in den Verkehr einschwenkte, suchten wir uns zwei Plätze. Nach Luft japsend, ließen wir uns auf die Sitze fallen, schoben unsere Rucksäcke von den Schultern und stellten sie auf die Oberschenkel. Wir beide waren nicht wirklich gute Sprinterinnen, eher gemütliche Joggerinnen.
Eve stieß mich mit der Schulter an, nachdem sich unser Atem beruhigt hatte. »Besorgst du von deinem Vater etwas zu trinken?«, wollte sie wissen und neigte ihren Mund zu meinem Ohr, um mir zuzuraunen: »Whisky, Wodka, irgendwas, okay?«
»Klar«, versicherte ich. Dad hatte genug von dem Zeug, dass ich unbemerkt eine Flasche mitnehmen konnte.
»Ich habe schon Rotwein aus dem Keller geklaut«, flüsterte Eve mit einem Grinsen im Gesicht. Sie zwinkerte verschwörerisch. Da ihre Freunde wie wir keine einundzwanzig Jahre alt waren und noch keinen Alkohol kaufen durften, bedienten sich alle an den Vorräten ihrer Eltern.
»Dann zieh dir was Hübsches an.« Eve drückte mir einen Kuss auf die Wange und erhob sich von ihrem Platz.
»Mach ich«, antwortete ich lächelnd.v »Jordan ist gegen halb sieben bei mir, danach holen wir dich ab.« Eve nickte mir kurz zu und begab sich zur Tür.
»Okay, grüße Onkel Bill und Tante Gwen von mir«, rief ich ihr nach. Eves Dad war der Bruder meines Vaters.
Nachdem Eve herausgesprungen war, winkte sie, bis sich der Bus wieder in Bewegung setzte. Ich musste noch drei Stationen weiter fahren, bis ich die Straße erreicht hatte, wo Dad wohnte.

Die Häuser hier waren riesige Anwesen mit Rasenflächen, Bäumen und Ziersträuchern. Es war eine ruhige Gegend, mit sauberer Luft, wo die Nachbarn sich kannten. Dad wohnte in einem hellen Backsteinhaus, das doppelt so groß war wie das von Mom.
Ich stieg die drei Stufen hinauf und schloss die Haustür auf.
»Ich bin wieder da«, rief ich durch den Flur, während ich die Toms von den Füßen kickte. Wenn ich unterwegs war, trug ich am liebsten meine grauen Sneakers.
Dad kam aus der Küche. »Schönen Nachmittag gehabt, Ellie? Was habt ihr gemacht?«, erkundigte er sich und nahm mich in die Arme. Ich schmiegte mich an ihn und seufzte zufrieden. Dad zu umarmen, fühlte sich nach Familie und Geborgenheit an. Er war ein großer, breiter Mann mit braunen Augen und schwarzen Haaren, die an den Schläfen leicht ergraut waren. Dass er Mitte vierzig war, sah man ihm nicht an. Er war schon immer sportbegeistert, spielte Football und joggte viel. Das hielt ihn enorm fit. Ich würde ihn vermissen, wenn ich wieder nach Hause flog.
»Wir waren shoppen und hinterher Eis essen«, erklärte ich ihm.
»Dann hast du vermutlich keinen Hunger auf ein Steak mit Salat. In einer halben Stunde kommt Susan.«
»Nein, mach dir mit deiner Freundin einen schönen Abend bei Kerzenschein und Schmusemusik«, neckte ich ihn. Mein Vater hatte seit einem Monat eine Freundin. Susan war eine Dozentin an der Michigan und beide schienen sich gut zu verstehen. Ich freute mich für ihn. Vielleicht klappte es mit ihr besser als mit Mom.
»Sicher, dass du nicht mitessen willst?«, hakte er nach. »Yep.« Ich löste mich aus der Umarmung. »Eve und Jordan holen mich nachher ab. Wir gehen auf eine Party und werden dort eine Kleinigkeit essen.«
»Eine Party? Hm, okay.« Dad wirkte nicht erfreut, sagte aber nichts. Er küsste mich auf die Wange und deutete mit dem Daumen über die Schulter. »Ich muss mich um das Fleisch kümmern.«
Ich lungerte im Flur herum, bis er verschwunden war. Eilig huschte ich ins Wohnzimmer, schnappte mir von seinem Vorrat eine Flasche Whisky aus dem Schrank und verstaute sie im Rucksack. Dad bekam jedes Jahr von Freunden Alkohol geschenkt, obwohl er kaum etwas trank. Vielleicht sollte er ihnen gegenüber zugeben, dass er sich nichts daraus machte.
Vorsichtig lugte ich in den Flur. Dad war mit dem Essen beschäftigt und ich konnte ungesehen zur Treppe eilen. Im oberen Stockwerk befand sich mein Zimmer.
Weil ich wusste, dass eine lange Nacht bevorstand und ich womöglich am Samstag mit einem fiesen Kater im Bett bleiben würde, nutzte ich die Zeit, um meine Sachen für die Abreise zu packen. Für Sonntag hatten Dad und ich einen Ausflug geplant, bevor er mich zum Flughafen bringen würde.
Ich legte die Reisetaschen auf das Bett und öffnete sie.
Schnell landeten die Klamotten zusammengefaltet in den Taschen.
Als ich den Großteil meiner Sachen verstaut hatte, stand ich ratlos vor den herausgezogenen Schubladen der Kommode und dem offenen Schrank. »Mist, alles Schicke habe ich schon eingepackt. Was ziehe ich denn jetzt an?«, murmelte ich vor mich hin.
Ich musste Eve anrufen, damit sie mir ein Kleid von sich mitbrachte. Wenn ich nicht sofort ein Kleidungsstück finden würde, das mir gefiel, müsste ich alles aus- und wieder einpacken. Darauf hatte ich keine Lust. Schwarze High Heels hatte ich mir heute gekauft, danach brauchte ich in keiner Tasche kramen.
Ich stellte die Reisetaschen auf den Boden und legte mich mit dem Handy am Ohr auf das Bett. Von unten drang langsame Klaviermusik zu mir hoch. Dad schien sich auf einen romantischen Abend einzustimmen. Ich grinste vor mich hin. Er mochte es nicht, wenn ich auf Partys ging. Das hatte ich ihm vorhin angesehen. Aber ich war mir sicher, dass er heute irgendwie froh darüber war, weil er Susan zu Besuch hatte.
Ich betrachtete meine kurzen rotlackierten Fingernägel, während ich wartete, dass Eve sich meldete. Sie hatte beim Shoppen versucht, mich in ein Nagelstudio zu lotsen. Aber ich mochte meine Nägel, so wie sie waren, statt sie mit Acrylmasse künstlich zu verlängern.
Nach dem fünften Freizeichen hörte ich endlich Eves Stimme.
»Hi Ellie, was gibt’s?«
»Hi Eve. Brauchst du heute Abend das schwarze Kleid?«
»Das Ärmellose?«
»Ja, genau. Ich habe meine Taschen gepackt und müsste alles wieder ausräumen.«
»Eigentlich wollte ich das anziehen.«
Ich schwang mich vom Bett, schlenderte zum Fenster und schaute hinaus. Die Sonne schien zwischen den Zweigen des Baums vor meinem Fenster hindurch. Ich blinzelte leicht geblendet. Dad sollte ein paar Äste absägen lassen. Wenn ein Sturm kommt, könnten sie das Fenster zertrümmern, überlegte ich.
»Und was ist mit dem roséfarbenen Kleid, das mit dem runden Ausschnitt? Kann ich das anziehen?«
»Das ich mir heute gekauft habe?«
»Ja, das sieht toll aus.«
»Ähm …«
»Bitte, Eve, deine anderen Kleider sind zu bunt.«
Einen Moment schwieg sie. »Das Roséfarbene wollte ich eigentlich anziehen, wenn Carter zurückkommt. Weißt du doch.«
Shit, Eves derzeitiger Schwarm war mit den Eltern bis morgen am Meer und sie wollte ihn mit dem Kleid überraschen. Das konnte ich ihr tatsächlich nicht abschwatzen.
»Okay, das Kleid geht nicht. Was kannst du mir sonst leihen?« Wenn alle Stränge reißen würden, müsste ich doch ein zweites Mal meine Taschen packen. Ich wollte auf alle Fälle keins ihrer Hippie-Blümchenkleider anziehen.
»Mein cremeweißes Top mit dem kurzen, schwarzen Faltenrock, wären die Sachen okay für dich?«
Ich kaute auf der Unterlippe und überlegte, wie ich darin aussehen würde. »Hmmm … Ja, doch, die wären passend.« Eve und ich waren fast gleichgroß und hatten eine ähnliche Figur. Die High Heels konnte ich dazu tragen und meine schwarze Clutch passte außerdem dazu. Ich schielte zum Schrank. Sie lag noch im obersten Fach.
»Okay, dann bringe ich die Sachen mit. Kann Jordan mit zu dir raufkommen, oder soll er nachher im Auto warten?«
Jordan war ein Freund von Eve. Wir hatten viel Zeit miteinander verbracht, waren aber kein Paar. Ich wusste, dass ich ihm gefiel, aber da ich Hunderte Meilen weit weg wohnte, hatte ich nicht zugelassen, dass mehr als ein bisschen Geknutsche und Gefummel zwischen uns lief. Wenn ich mit einem Mann schlief, dann müsste er mein Freund sein.
Bis jetzt hatte ich eine längere Beziehung gehabt. Ich war mit einem Typen während der Highschool zusammen gewesen, der aber gleich zu Ferienbeginn mit mir Schluss gemacht hatte, weil er der Meinung war, sich auf der Uni neu orientieren zu müssen. Okay, fand ich scheiße, aber lieber so, als wenn er mich später betrügen würde. So groß war meine Liebe nun auch nicht gewesen, dass ich ihm lange hinterher getrauert hatte. Viel Schokoladeneiscreme, Schnulzenfilme und Taschentücher waren mein Heilmittel gewesen.
Nach zehn Tagen hatte ich den Schmerz überwunden. Ich war zu Dad geflogen und erlebte eine schöne Zeit mit Eve und Jordan.
»Er kann ruhig mit auf mein Zimmer kommen«, antwortete ich und ergänzte scherzhaft: »Du hältst ihm die Augen zu, während ich mich anziehe.«
»Und werdet ihr euch vor deiner Abreise noch einmal treffen, ins Kino gehen oder so?«, wollte Eve wissen. Ich verdrehte die Augen, sie war schon ziemlich neugierig.
»Keine Ahnung, eher nicht. Ich brauche noch ein bisschen Zeit für mich.«
»Da wird er enttäuscht sein. Lief denn etwas zwischen euch? Jordan machte verdeckte Andeutungen. Ich glaube, er steht auf dich.«
»Ja, er ist nett.«
»Nett, echt jetzt, Ellie? Er sieht doch gut aus?« Eve kicherte.
Ich verzog den Mund. »Ja, stimmt schon«, gab ich zu. »Aber ich wohne nun mal in Worcester und er hier. Und was ich an ihm nicht so toll finde …«
Eve begann heftig zu lachen, und ich stimmte in ihr Lachen ein. »Er trägt bewusst extrem enge Jeans. Das meinst du doch, Ellie?«
»Ja, das ist so peinlich, oder?«, gluckste ich. »Als ob wir Frauen unbedingt einen Vorgeschmack bekommen wollen, was der Kerl zwischen den Beinen zu bieten hat.«
»Zumindest wissen wir, dass er Rechtsträger ist.«
»Okay, wir müssen aufhören, ich habe gerade Kopfkino«,
beendete ich das Gespräch. Ein Blick auf die Armbanduhr verriet, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte, um mich fertig zu machen.
»Alles klar, Ellie, wir sehen uns gleich«, sagte Eve. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, nahm ich die Whiskyflasche aus dem Rucksack, steckte sie in eine weiße Plastiktüte und umwickelte sie schnell mit dieser.
Mein Handy und das Portemonnaie verstaute ich in der Clutch. Ich verließ das Zimmer und ging über den Flur ins Bad.

Nachdem ich die Dusche verlassen hatte, föhnte ich mir die Haare und legte etwas Make-up auf. In ein großes Badetuch gewickelt, kehrte ich in mein Zimmer zurück.
Gerade als ich Slip und BH angezogen hatte, hörte ich Schritte auf dem Flur, die sich meinem Zimmer näherten. Eilig zerrte ich mir mein gelbes T-Shirt über den Kopf.
Nach einem kurzen Klopfen wurde die Tür geöffnet. Eve und Jordan standen im Türrahmen.
»Hi, ihr seid schon da?«, fragte ich überrascht.
Jordans Augen verweilten auf meinen Beinen. »So könntest du bleiben«, neckte er mich.
»Hättest du gern«, sagte ich zwinkernd, nahm Eve die mitgebrachten Partyklamotten ab und deutete mit dem Kinn zur Couch. »Setzt euch, und du, Jordan …« Ich sah ihn streng an.
»Behalte deine Augen schön bei dir, während ich mich anziehe.« »Du gönnst mir aber auch gar nichts«, maulte er.
»Nö, warum sollte sie?«, warf Eve lachend ein und tätschelte seinen Arm. »Sei anständig und schau nicht hin.«
»Jaja, schon gut.« Jordan seufzte theatralisch, hielt sich aber die Augen zu. Schnell zog ich das Top und den Rock an und schlüpfte in die High Heels.
»Kannst wieder gucken«, rief ich Jordan zu. Sofort riss er die Hände vom Gesicht. Sein Blick schweifte über meinen Körper. »Siehst toll aus«, sagte er. Anerkennend verzog er den Mund.
»Hey Jordan«, rief Eve, sprang von der Couch auf und drehte sich einmal um die eigene Achse. »Wie gefalle ich dir?«
»Auch gut.«
»Nur gut? Wieso sagst du nicht, dass ich genauso toll aussehe wie Ellie?«, beschwerte sich Eve und verpasste Jordan einen verspielten Faustschlag gegen die Schulter.
»Weil ich dir das schon bei dir zu Hause gesagt habe.« Jordan verdrehte die Augen. »Mann, ihr Frauen wollt wohl rund um die Uhr Komplimente hören«, beschwerte er sich. »Doch was ist mit mir?« Jordan tippte sich mit dem Finger gegen die Brust.
»Du hast eine super Jeans an«, sagte ich und fuhr mir mit den Fingern durchs Haar, damit sie locker über den Rücken fielen.
»Ja, die Jeans sitzt perfekt.« Eve und ich lachten.
Jordans Augen wanderten verständnislos zwischen Eve und mir hin und her. »Was habt ihr mit meiner Jeans?«
»Nichts«, gluckste ich, nahm vom Tisch den Flakon und sprühte mir ein bisschen Parfüm hinter die Ohrläppchen. Er hatte ja keine Ahnung, wie wir über seine engen Hosen dachten. »Wollen wir los?«, wechselte ich das Thema.
»Ja, lasst uns losgehen.« Eve schnappte sich ihre Clutch. »Oh!«, kam es von uns wie aus einem Mund. Erst jetzt fiel uns auf, dass wir die gleichen Handtaschen hatten. Da ich aber nur die eine besaß, musste ich sie benutzen. Zu meinem Outfit sähe ein Rucksack bescheuert aus. »Wir sollten uns merken, wo wir die Clutchs hinlegen, damit wir sie nicht verwechseln«, schlug ich vor.
»Wird schon nicht passieren«, winkte Eve ab und öffnete die Tür.
Bevor wir das Haus verließen, gingen wir ins Wohnzimmer, um uns zu verabschieden.
Es roch nach frisch gebratenem Steak und Kräutern. Aus der Musikanlage klang leise Jazzmusik. Dad saß mit Susan am gedeckten Tisch. Er hatte sogar rote Rosen gekauft.
Ich schmunzelte, weil die beiden sehr verliebt wirkten. Meinen Vater so zu sehen war einerseits schön, aber gleichzeitig irgendwie komisch. Vielleicht, weil es merkwürdig war, ihn in diesem Fall als Mann wahrzunehmen, der für eine Frau schwärmte. Als Mom mit Michael vor drei Jahren zusammengekommen war, fand ich es zu Beginn auch etwas befremdlich. Mittlerweile hatte ich mich an den Anblick gewöhnt. Bald würde ich das mit Susan und meinem Dad auch nicht mehr ungewohnt finden.
»Ist der Rock nicht ein bisschen kurz, hm?«, fragte mich Dad mit hochgezogener Augenbraue, nachdem ich ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt hatte.
»Dad, ich gehe auf eine Party!«
»Ja, schon …«, entgegnete er. »Nichtsdestotrotz hättest du dir …«
»Ihr Mädels seht sehr hübsch aus«, unterbrach Susan Dads Bedenken. »Der Rock passt perfekt zum Top.«
Ich grinste. Danke, formten meine Lippen. Ich fand es gut, dass Susan meinem Vater den Wind aus den Segeln nahm, bevor wir über meine Klamottenwahl zu diskutieren anfingen. »Ja, haltet mal zusammen«, sagte Dad schmunzelnd. »Wann kommst du nach Hause?«
»Weiß nicht«, sagte ich schulterzuckend.
»Ich bringe Ellie nach der Party zurück«, warf Jordan ein. »Okay, dann viel Spaß auf der Party«, sagte Dad und nickte uns zu.
»Danke, euch ebenso«, antwortete ich.
»Ellie!«
Ich war schon halb im Flur, als Dad mich zurückrief. »Ja?«, fragte ich und blickte über die Schulter. »Was hast du in der Tüte?«
Scheiße. Ich brauche dringend eine Ausrede. Los, Ellie, lass dir was einfallen. »Einen Schirm, soll heute Nacht regnen.« »Ach, tatsächlich?«
»Äh … Ja.« Ich hob die Schultern und bemühte mich, unschuldig zu gucken, obwohl ich spürte, wie ich errötete. Nichts anmerken lassen, Ellie, reiß dich zusammen.
»Mr. Eliot, entschuldigen Sie, aber wir müssen los. Ich versperre die Straße mit meinem Truck«, rettete mich Jordan aus der brenzligen Situation.
»Alles klar, ich will euch nicht aufhalten.«
Ich lächelte noch einmal zu Dad und Susan. Wir beeilten uns, aus dem Wohnzimmer zu kommen, und schlüpften schnell durch die Haustür.
»Puh, das ist ja noch mal gut gegangen«, atmete ich auf. »Mir ist schon ganz heiß geworden.«
»Und mir erst.« Eve fächelte sich Luft zu. »Nicht auszudenken, dein Dad hätte herausgefunden, dass wir mit Alkohol unterwegs sind.«
Wir gingen zu Jordans Truck, der tatsächlich die halbe Straße blockierte. Wobei er nicht der einzige Achtzehnjährige in dieser Gegend war, der einen monstergroßen Wagen fuhr.
Je größer, desto cooler, lautete bei den Männern die Devise. So kam es mir zumindest vor.
»Sitzt du neben mir, Ellie?«, fragte mich Jordan und öffnete die Beifahrertür. Er lächelte bittend. Wie sollte ich bei diesem Blick ablehnend reagieren? »Wenn Eve nichts dagegen hat …«
»Nee, schon gut, stört mich nicht, hinten allein zu sitzen.« Eve nickte mir zustimmend zu. Sie schien wie ich zu bemerken, dass Jordan den Abend mit mir genießen wollte.
Als ich im Auto saß, drehte ich mich kurz zu ihr um, um mich zu vergewissern, dass sie kein Problem damit hatte. Sonst saßen wir immer zusammen auf der Rückbank, wenn wir zu dritt unterwegs waren. Sie lächelte. Zwischen uns war alles entspannt.
Während der Fahrt redeten Jordan und Eve über irgendetwas, aber ich hörte ihnen nicht zu, sagte nur ab und zu »Hm« oder »Ja«, damit sie mich nicht für unhöflich hielten. Musik spielte im Hintergrund, auch die nahm ich kaum wahr. Statt dem Gespräch zu folgen, schaute ich aus dem Fenster. Mein Herz fühlte sich schwer an. Ich konnte nicht gut Abschied nehmen. Doch Sonntag war es schon soweit. Sonntag würde ich um diese Zeit wieder in Worcester sein. Ich stieß einen Seufzer aus. »Alles klar mit dir?« Jordan warf mir einen prüfenden Seitenblick zu.
»Ja, alles gut«, beruhigte ich ihn.
Jordans bester Freund Max richtete die Party aus, weshalb wir in der Garage parken durften. Max’ Eltern waren selbst auf einer Party eingeladen und würden erst am späten Samstag zurückkommen, erzählte uns Jordan beim Aussteigen. Das Haus stand auf einer Anhöhe. Es war eine architektonische Schönheit, ein heller moderner Bau, zweistöckig, mit Panoramafenstern.
Der Luxus überwältigte mich. Für mich blieb es ein Rätsel, dass es Leute gab, die sich solche Häuser leisten konnten, obwohl ich selbst aus einer gut situierten Familie stammte.
Musik dröhnte aus dem Inneren des Hauses bis zu uns nach draußen, als wir über den Weg zum Hauseingang gingen. Das Haus und das Grundstück waren hell erleuchtet. Überall standen Leute herum, die sich unterhielten und rote Becher in ihren Händen hielten.
Max’ Freundin öffnete uns die Tür: »Hi Jordan, schön, dass ihr gekommen seid.« Sie küssten sich flüchtig auf die Wange, bevor wir begrüßt wurden. »Hi Eve«, sagte sie freundlich, dann wandte sie sich mir zu. »Hey Ellie, die letzte Party noch genießen?«
»Ja, hi Liv, Sonntag geht’s wieder nach Hause«, antwortete ich.
Wir traten ein. Jordan nahm mir den Whisky und Eve den Rotwein ab, um die Flaschen in die Küche zu bringen. Eve entschuldigte sich bei mir. Sie wollte zwei Freundinnen begrüßen und mit ihnen ein bisschen quatschen. Ich hatte keine Lust, daneben zu stehen, sondern schaute mich ein bisschen um. Im Wohnzimmer wurde getanzt. Ein DJ legte auf. Ich bewegte die Schultern zu Ride it von Regard. Ich mochte den Song.
Jordan kam mit zwei roten Bechern zu mir. »Hier, Ellie.« Wir stießen an. Er hatte uns Cola mit Whisky gemixt. Ich überlegte, ob ich nachher lieber mit einem Bus nach Hause fahren sollte, falls Jordan zu viel Alkohol trank. Meinen prüfenden Blick musste er bemerkt haben. »Ich werde mir nur zwei Drinks gönnen, sei unbesorgt.«
»Okay.« Ich lächelte.
Wir hoben die Becher an die Lippen und tranken einen Schluck. Unsere Blicke kreuzten sich. Jordan zeigte zum Garten und neigte sich zu meinem Ohr. »Wollen wir auf die Terrasse gehen oder magst du lieber tanzen?«
»Was willst du machen?«, gab ich die Frage zurück.
»Draußen ist es ruhiger als hier drinnen.« Ich spürte seine Lippen hauchzart auf meiner Haut. Sein Atem kitzelte. Jedoch verspürte ich kein Kribbeln im Bauch. Verliebt war ich nicht. Wenn ich mich an den Typen auf dem Motorrad heute Nachmittag zurückerinnerte, hätte der in meinem Inneren vermutlich eher Hitze aufkommen lassen. Wie bei einem Reflex presste ich einen Augenblick die Schenkel zusammen.
Jordan räusperte sich. Ich blinzelte. »Gut, dann lass uns rausgehen«, entschied er.
Auf der Terrasse standen Ratanmöbel mit dunklen Kissen, Kugellampen sorgten für Licht. Roter Hibiskus und weißer Oleander verbreiteten einen angenehmen Duft.
»Wann kommst du wieder nach Ann Arbor?«, wollte Jordan wissen.
Ich zuckte mit den Achseln und nahm einen Schluck. Mit der Antwort ließ ich mir Zeit. »Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Vielleicht zu Thanksgiving.«
Still tranken wir.
»Ich werde dich vermissen«, unterbrach Jordan das Schweigen. Er nahm mir meinen Becher ab und stellte ihn mit seinem auf den flachen Glastisch. »Was muss ich tun, dass du versprichst, zu Thanksgiving zu kommen?«
Ich schmunzelte. »Wieso möchtest du das?«
Jordan fuhr sich mit der Hand durchs dunkelblonde Haar. Er trat dichter an mich heran, hob den Arm und strich mit den Fingerspitzen über meine Wange. »Ich mag dich … Sehr sogar. Lass mich nicht zu lange auf dich warten.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Mal schauen, wie anstrengend das Studium wird«, wich ich seiner Bitte aus.
Jordans blaue Augen hielten meinen Blick gefangen. »Können wir uns morgen sehen? Wir könnten ins Kino gehen und hinterher in ein Diner.«
»Das geht nicht, tut mir leid. Heute wird unser letzter gemeinsamer Abend sein. Ich will morgen den Tag für mich haben.«
»Und Sonntag?«
Ich kräuselte die Nase. »Bin ich leider schon mit meinem Dad verabredet.«
»Also haben wir wirklich nur diese Nacht für uns.« Jordan neigte sein Gesicht zu mir und küsste mich sanft. Er legte die Hand in meinen Nacken und versuchte, den Kuss zu intensivieren. Lächelnd schob ich ihn ein Stück von mir. »Nicht jetzt.«
Geräuschvoll stieß Jordan die Luft aus und zog die Augenbrauen zusammen. Er hatte sich eindeutig mehr erhofft. »Okay, verstehe«, sagte er und klang leicht angepisst. Er deutete zum Haus. »Willst du etwas essen? In der Küche stehen Sandwichs und andere Sachen.«
Ich nickte, denn tatsächlich grummelte mein Magen. »Ja, stell uns was zusammen.«
Bevor Jordan ging, hielt ich ihn am Handgelenk fest und zog ihn zurück. Rasch drückte ich ihm einen Kuss auf den Mund. »Hey, nicht sauer sein«, wisperte ich.
»Bin ich nicht«, sagte er kopfschüttelnd. Seine Miene wurde wieder entspannter und er sah mich freundlich an, bevor er sich ins Haus begab.
Während ich allein war, schaute ich zum Himmel. Die ersten blassen Sterne zeigten sich. Der Abend war viel zu schön, um mich mit Jordan zu streiten. Ich sollte mich ihm gegenüber offener zeigen. Was sprach dagegen, wenn wir später rummachten?
»Mann, Ellie«, hörte ich plötzlich Eves Stimme. Ich drehte mich um. Eve kam schmunzelnd auf mich zu und umarmte mich. »Ich habe dich schon überall gesucht. Alisha und Charly wollen gleich zu so ’nem neuen Laden fahren. Sam’s Diner hatte vor ein paar Monaten seine Eröffnung. Dort sollen sich süße Footballspieler von der Michigan herumtreiben. Magst du mitkommen oder lieber mit Jordan hierbleiben?« Sie nickte mir wissend zu. Jordans Namen hatte sie gehaucht, als ob wir etwas ganz Heißes miteinander vorhätten.
Typisch Eve.
Im Gegensatz zu mir ließ sie nichts anbrennen. Eve flirtete gern und unverbindlich. Ich war gespannt, welcher Kerl irgendwann ihr Herz gewinnen würde. Mit Carter war es nicht wirklich was Ernstes.
»Warum wollt ihr denn nicht auf der Party bleiben?«, fragte ich verwundert. »Immerhin hast du mich hierher geschleppt.« »Ja, schon, aber die Typen sind doch hier absolut langweilig. Ich kenne alle und keiner gefällt mir.«
»Hey Eve.«
Jordan war mit zwei Papptellern zurückgekommen. Er hatte für uns Tunfischsandwichs und Eihälften mit rotem Kaviar ausgewählt. Dankend nahm ich einen Teller entgegen.
»Echt lecker.« Eve klaute sich von Jordan eine Eihälfte und steckte sie sich in den Mund. Sie kaute angestrengt.
»Ich habe Ellie gesagt, dass ich mit zwei Freundinnen von der Party verschwinde«, erklärte sie mit vollem Mund.
»Was heißt das jetzt, haust du ab?«, erkundigte sich Jordan bei mir und sah mich überrascht an.
»Nein, nein, ich gehe nicht mit«, beruhigte ich ihn. »Jaja, kannst ganz locker bleiben.« Eve lächelte Jordan zu und schnappte sich seine zweite Eihälfte.
»Hey, hol dir dein eigenes Essen!« Jordan hob den Teller über den Kopf, damit Eve ihm nicht noch das Sandwich mopste. »Keine Angst, den Rest darfst du behalten«, sagte Eve gönnerhaft und tätschelte Jordans Brust.
Dann wandte sie sich wieder mir zu. »So, ich muss los. Habt beide noch einen schönen Abend.«
Wir tauschten Küsschen aus und Eve winkte uns noch einmal zu, bevor sie verschwand.
Ich hielt Jordan meinen Teller entgegen. »Magst du dir eine Eihälfte von mir nehmen?«
»Ach Quatsch«, sagte er abwinkend. »Lass uns hinsetzten. Ich kann uns später Nachschub holen.« Er deutete zu den Sesseln. Wir spazierten zu den Ratanmöbeln, setzten uns und begannen zu essen.

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Szene - Motorradfahrt bei Nacht

Nach einer knallharten Woche auf dem Bau war endlich Freitag und ich freute mich auf das Wochenende. Meine Buddys und ich würden Football spielen, Party machen und bis nachmittags pennen. Es war Mitte August. Nächste Woche begann das neue Semester. Hey, jetzt aber daraus keine falschen Schlüsse ziehen. Es würde nicht für mich, sondern für meinen Bruder beginnen.
Seit zwei Jahren studierte er auf der Michigan State University. Aiden war schon auf der Highschool ein nerviger Streber. Wir ähnelten uns kein bisschen. Trotz dessen zollte ich ihm meinen Respekt. Sein früher Eifer hatte sich ausgezahlt. Die Uni bezahlte Aiden ein fettes Stipendium.
Auch ich hatte letztes Jahr den Highschool-Abschluss geschafft – mit ganz passablen Noten –, aber im Gegensatz zu Aiden hatte ich es vorgezogen, mir gleich einen Job zu suchen. Auf dem Bau verdiente ich ganz gut, und meine Eltern waren froh darüber.
Vor zwei Monaten hatten sie ihren Job in der Schokoladenfabrik verloren – wie einige Leute aus unserem Viertel. Das Unternehmen war pleite gegangen.
Da Mom und Dad fast fünfzig waren, sah es für sie auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht aus. Wir brauchten uns nichts vorzumachen. Ihre Chancen tendierten gegen null, einen neuen Job zu finden.
Keine Ahnung, worüber ich mehr verärgert war. Dass reiche Arschlöcher die Firma gegen den Baum gefahren hatten und meine Eltern deshalb arbeitslos waren oder dass ich nicht mehr mit kostenloser Schokolade aus der Fabrik versorgt wurde. Ich war ein Schokoladenjunkie und hatte deshalb unfreiwillig einen kalten Entzug machen müssen. Das klang jetzt vermutlich verrückt, aber mir fehlte für solche Extras das nötige Kleingeld. Einen Teil meines Lohns gab ich Mom, damit sie die Rechnungen bezahlen und unseren Kühlschrank füllen konnte. Der Rest ging für mein Bike und Zigaretten drauf. Außerdem für coole Klamotten, auch wenn man mir das gerade nicht ansah.
Egal, genug über den Scheiß nachgedacht. Ich war um sechs Uhr mit meinen Bros verabredet und spät dran. Nachdem ich die Haustür zugezogen hatte, schob ich meine schwarze Ray-Ban Clubmaster auf die Nase. Ein letztes Mal zog ich an der Kippe, bevor ich sie auf die Straße schnipste und austrat.
Lächelnd schlenderte ich zu meinem Bike: eine Yamaha YZF R6. Die Karre war mein ganzer Stolz.
Gänsehaut rann mir über den Rücken, als ich sie startete. Der Sound meines Bikes klang wie tiefe harte Bassschläge. Nie würde ich mich an dem Motorengeräusch satthören können.
Geschickt fädelte ich mich in den dichten Verkehr ein und beschleunigte. Wie ein Slalomläufer umkurvte ich die langsam fahrenden Autos.
»Was soll das, du Idiot!«, hörte ich hinter mir einen Autofahrer schimpfen. Wie irre begann er zu hupen. Ich drehte mich um und zeigte ihm grinsend den Mittelfinger. Was’n Affe. Über sein sinnloses Gehupe und Gemotze konnte ich nur lachen und schlängelte mich weiter durch die Autos hindurch.
Der Parkplatz auf dem Gelände der stillgelegten Schokoladenfabrik lag neun Meilen vom Haus meiner Eltern entfernt. Wir trafen uns dort mittwochs, freitags und sonntags, um mit anderen Typen Football zu spielen, egal wie abgefuckt das Wetter war. Es müsste schon ein Tornado auf dem Parkplatz wüten, damit wir auf unser Spiel freiwillig verzichten würden.
Seit meinem achten Lebensjahr spielte ich Football. Obwohl ich mittlerweile neunzehn war, faszinierte mich der Sport noch immer.
Früher wollte mich der Chefcoach unserer Highschool trainieren. Ich sollte als Wide Receiver eingesetzt werden. Ich besaß enorme Sprungkraft, konnte sicher fangen und ließ keine Bälle fallen. Außerdem blockte und tackelte ich hart und war verdammt schnell. Aber auf diesen gehypten Highschool-Football hatte ich keinen Bock. Auf der Straße hatten wir unsere eigenen Regeln, nach denen wir spielten.
Wenn ich aber mal genau darüber nachdachte … Spielten wir überhaupt nach Regeln?
Na ja, wir legten sie immer so aus, wie es uns während eines Spiels gerade passte.
An einer Kreuzung musste ich halten. Die Ampel war für meine Richtung auf Rot gesprungen.
Plötzlich hörte ich ein helles Lachen, das über die Motorengeräusche hinweg zu mir getragen wurde.
Ich drehte mein Gesicht nach rechts und suchte mit den Augen nach der Frau, die so ein schönes Lachen hatte.
Sie stand mit ihrer Freundin vor einem Eiscafé. Ich kaute auf der Unterlippe, beobachtete, wie sie ihr Eis genoss. Holy fuck. So dürfte sie mich mit ihrer Zunge gern abschlecken. Das sah echt heiß aus.
»Hey Süße!«
Sie schien nicht zu begreifen, dass ich sie meinte.
»Du, mit dem gelben T-Shirt!«
Irritiert schaute sie mit großen Augen in meine Richtung.
»Kann ich dein Eis haben?«, fragte ich frech.
Sie starrte mich weiter sprachlos an.
Ich hob die Hand und winkte ihr zu, damit sie verstand, dass sie zu mir kommen sollte. Uns trennten höchstens fünf Meter.
Ihr Mund klappte auf und sie schnappte nach Luft. Die Stirn in Falten gelegt, fuhr sie mich an: »Kauf dir gefälligst dein eigenes Eis!« Sie legte den Kopf leicht schräg und betrachtete mich. »Und ein paar anständige Klamotten.«
Ich lachte. »Warum? Mach doch kein Drama draus. Ich lade dich morgen auf ein Date ein und du bekommst ein neues Eis spendiert und mich dazu, wie aus dem Ei gepellt.«
»Ein Date mit dir? Vergiss es«, rief sie kopfschüttelnd und lachte.
Schau an, sie ist nicht auf den Mund gefallen. »Sicher?«, vergewisserte ich mich. »Du hast keine Ahnung, was dir entgeht.«
»Ich bin mir absolut sicher, dass ich kein Date mit dir will«, erwiderte sie mit einem süßen Grinsen im Gesicht.
Okay, Pech gehabt. Eigentlich war sie ganz hübsch. Groß, schlank, mit schulterlangen braunen Haaren. Ich wäre tatsächlich nicht abgeneigt gewesen, sie zu daten, wenn sie gewollt hätte.
Die Ampel schaltete auf Grün. »Schade«, rief ich ihr und ihrer Freundin zu und zuckte mit den Achseln. »Habt einen schönen Tag, Ladys.« Ich wandte den Blick wieder nach vorn, ließ den Motorsound meines Bikes kräftig dröhnen und brauste davon.

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Impressum - Leseproben

Erste Auflage 2020
Copyright © 2020 by Jenna Stean
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Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung dieses Buches – auch nur Auszüge – sowie die Übersetzung dieses Romans ist nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Dies gilt insbesondere für jede mechanische, fotografische, elektronische und sonstige Vervielfältigung, Verbreitung – auch Auszüge – durch Film, Funk, Fernsehen, elektronischen Medien und sonstige Form von öffentlicher Zugänglichmachung.
Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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